"... to boldly go were no one has gone before". So beginnt eine bekannte Science Fiction Serie. Es war schon immer ein Traum der Menschheit neue Welten zu entdecken und in das Unbekannte vorzudringen. Meist wird man jedoch nach derartigen Abenteuern in der Ferne des Alls schnell wieder in das Alltagsleben zurück befördert.
Als es Forschern Anfang der achtziger Jahre gelang, bei der Untersuchung von interstellarer Materie neuartige Kohlenstoffcluster zu erzeugen, die gehäuft in bestimmten Clustergrößen auftraten , dachte noch niemand an die Entdeckung einer völlig neuen Substanzklasse. Erst mit der massenspektroskopischen Untersuchung gelang 1985 der Nachweis für die bereits 1970 theoretisch] vorhergesagten Fullerene. Der Durchbruch für die Chemie der Fullerene war die Isolierung größerer Mengen dieser sphärischen Moleküle durch Krätschmer und Huffman . Zur Darstellung der reinen Verbindungen ist allerdings eine chromatographische Trennung der löslichen homologen Fullerene nötig
Die Fullerene können ausgehend von ihrer Hybridisierung zwischen Graphit (sp2) und Diamant (sp3), den weiteren Modifikationen von elementarem Kohlenstoff, eingestuft werden. Durch den Einbau von Fünfringen in den ursprünglich planaren, in Schichten aufgebauten Graphit wird Spannung erzeugt, die sich in der gekrümmten Struktur niederschlägt. Das Aufbauprinzip der Fullerene genügt dem Eulerschen Theorem, demzufolge für eine geschlossene sphärische Struktur neben beliebig vielen Sechsecken auch zwölf Fünfringe benötigt werden. Der kleinste stabile Vertreter der Fullerene, das Ih-symmetrische C60, ist in Abbildung 1 dargestellt.
Der Grund für die besondere Stabilität des liegt in der Erfüllung der "isolated pentagon rule" (IPR). Danach sind nur Fullerene stabil, in denen alle Fünfringe durch Sechsringe getrennt sind. Eine strukturelle Besonderheit des [60]Fullerens ist die Bindungslängenalternanz ]. Die Bindungen zwischen zwei annelierten Sechsringen ([6,6]-Bindungen) haben Doppelbindungscharakter, während die einem Fünfring und Sechsring gemeinsamen [5,6]-Bindungen Einfachbindungen entsprechen (Tabelle 1).
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a)
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b) |
Abbildung 1: Schematische Darstellungen von C60; a) Kugel-Stab-Modell und b) Schlegeldiagramm mit der Numerierung der C-Atome.
Tabelle 1: Energien und Bindungslängen von C60.
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Methode |
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MP2/TCPa |
PM3-UHF |
AM1-UHF |
MNDO-UHF |
PIMM91 |
Experiment |
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D Hf° [kcal/mol] |
799,2 |
955,4 |
811,3 |
597.8 |
599,43b |
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[5,6]-Bindung [Å] |
1,446 |
1,46 |
1,46 |
1,47 |
1,45 |
1,444 - 1,467c |
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[6,6]-Bindung [Å] |
1,406 |
1,39 |
1,40 |
1,42 |
1,40 |
1,335 - 1,401c |
Die Reaktivität des C60 ist geprägt von den lokalisierten Doppelbindungen. Es handelt sich also nicht um ein aromatisches System mit dem Benzol analoger Reaktivität. Mit der Pyramidalisierung der Kohlenstoffatome verschiebt sich deren Hybridisierung in Richtung sp3 wodurch sich C60 wie ein elektronenarmes Olefin verhält. Die genaue Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Hybridisierung und Reaktivität ist Gegenstand des fünften Kapitels dieser Arbeit.
Die hohe Symmetrie des als einzigen von 12 500 möglichen Isomeren gebildeten Ih-symmetrischenFullerens führt zu einer fünffachen Entartung (hu) des höchsten besetzten Energieniveaus, während der erste unbesetzte Zustand t1u Symmetrie aufweist (Abbildung 2) . Die Ergebnisse von Cyclovoltametrie-Messungen
unterstützen dieses Orbitalschema, da das stabile Hexaanion des [60]Fullerens in sechs reversiblen Reduktionsschritten gebildet wird. Die Oxidation dagegen ist nur bei sehr hohen anionischen Potentialen möglich.
Die violette Farbe von C60 in Lösung wird durch einen symmetrieverbotenen
Übergang im sichtbaren Bereich des UV/Vis Spektrums verursacht. Starke
Absorptionsbanden treten bei 211, 256 und 328 nm auf. Entsprechend der ikosahedralen
Symmetrie, wodurch alle Kohlenstoffatome symmetrieäquivalent sind, weist
das 13C-Spektrum des [60]Fullerens nur ein Signal bei 143,2 ppm auf
. Ebenfalls aufgrund der hohen Symmetrie sind von den 174 Normalschwingungsmoden
nur vier IR-aktiv (t1u) {[19]}]
und zehn Raman-aktiv (ag, hg) .
1.2 Endohedrale Fullerenkomplexe
Die chemischen Eigenschaften der Fullerene werden durch die sphärische Struktur bestimmt. Sie erlaubt sowohl die Addition von außen, exohedral, als auch endohedrale Chemie im Inneren der Moleküle. Da der Raum im Fullerenkäfig groß genug zum Einschluß von Atomen, ja sogar von kleinen Molekülen ] ist, begannen schon kurz nach der Entdeckung der Fullerene 1985 die ersten Gasphasen-Untersuchungen an endohedralen Komplexen], die in den folgenden Jahren fortgeführt wurden . Obwohl die kovalente Chemie von C60 seit dieser Zeit sehr gut entwickelt ist und die Grundsätze für äußere Additionsreaktionen abgeleitet werden konnten , ist nur wenig über die Reaktivität im Inneren der Fullerene bekannt. Allgemein ist die treibende Kraft für Additionsreaktionen an Fullerene der Abbau von Spannung die aus der Pyramidalisierung der Kohlenstoffatome resultiert. Daher ist die Reaktivität von Fullerenen in Bezug auf die Derivatisierung an der Außenseite größer als die der planaren Aromaten und führt zu einer Vielzahl von derivatisierten Fullerenverbindungen

Abbildung 3: Zahl der Veröffentlichungen auf dem Gebiet der endohedralen Fullerenkomplexe (Quelle: CAS).
Im Gegensatz dazu sind bislang nur zwei Arten von endohedralen Fulleren-Komplexen bekannt, die Einschlußverbindungen von elektropositiven Elementen , ] sowie von Edelgasen . In den zuerst genannten Systemen befindet sich ein Metallkation im negativ geladenen Kohlenstoffkäfig, wohingegen in letzteren beide Komponenten neutral sind. Endohedrale Verbindungen mit kovalenter Bindung an die innere Oberfläche von C60 sind bislang unbekannt. Ein Zeichen für das große Interesse, das dieser neuartigen Substanzklasse entgegengebracht wird, ist die steigende Anzahl von Veröffentlichungen in den letzten Jahren (Abbildung 3).
Die meisten Untersuchungen wurden an endohedralen Komplexen der höheren Homologen von C60 durchgeführt ]. Eine Übersicht der nachgewiesenen Einschlußkomplexe des [60]Fullerens ist in Tabelle 2 wiedergegeben.
Tabelle 2: Endohedrale Verbindungen des [60]Fullerens.
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Element |
Darstellung |
Literatur |
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Edelgase |
He, Ne, Ar, Kr, Xe |
Hochdrucksynthese |
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seltene Erden |
La; Y; Ce, Pr, Nd, Gd |
Laserverdampfung von MxOy/Graphit |
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Nebengruppen |
Fe |
Laserverdampfung von MxOy/Graphit |
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Hauptgruppenmetalle |
Ca ; Sr; Ba |
Laserverdampfung von MxOy/Graphit |
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Li, Li2; Be |
Ionenimplantation |
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Nichtmetalle |
H (Mu); N; P |
Ionenimplantation |
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Gasphase |
Mn+, Mn2+; U+ |
Massenspektrometrie |
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Zur Aufklärung der Struktur und Stabilität dieser Verbindungsklasse waren neben den experimentellen Untersuchungen auch die computerchemischen Methoden von großer Bedeutung