3. PRÄPARATIVER TEIL - EIGENE ARBEITEN
3.1. metalla-Kronenether und ihre Komplexe
3.1.1. Ligandensynthesen
Im Jahre 1994 berichtete SAALFRANK[107] erstmals über die Synthese und strukturelle Charakterisierung von endohedralen, adamatanoiden, tetranuklearen gemischtvalenten Eisen(II/III)-Komplexen 2. Diese Einschlußverbindungen der Zusammensetzung [M(Fe4L6)] sind in einer Eintopfreaktion durch Spontane Selbstorganisation aus Malonester, Methyllithium, Oxalylchlorid und Ammoniumchlorid erhältlich (Abb. 12).
Charakteristisches Merkmal dieser adamantanoiden Komplexe ist die Verbrückung der Metallzentren durch insgesamt sechs bis(bidentate) Liganden L (E = -CO2R). Die oktaedrische Koordination der Metalle und deren räumliche Anordnung in Form eines Tetraeders setzt zwei Chelatisierungsmöglichkeiten der Liganden voraus sowie ein für die Verbrückung zweier Metallzentren passendes Winkelverhältnis der beiden Chelatringe zueinander. Die Auswertung der Strukturdaten solcher Komplexe[108] zeigt, daß die beiden Chelatringe jeweils eines Liganden im Komplex annähernd orthogonal zueinander angeordnet sind.
Der Aufbau von metalla-Kronenethern sowie
deren Einschlußkomplexe, ausgehend von doppelt zweizähnigen
Liganden und geeigneten Metallionen, setzt dagegen eine vollständige
Planarisierung des Liganden voraus. Eine coplanare Anordnung der
Chelathälften sollte durch Austausch der sterisch anspruchsvollen
Alkylestergruppen (E = -CO2R) gegen Wasserstoffatome
(E = H) unterstützt werden. Komplexierung von Übergangsmetallionen,
die eine quadratisch-planare Koordinationssphäre bevorzugen,
läßt die Bildung des Metallacyclus 6 und Sandwich-Komplexes
8 erwarten, die bezüglich ihrer strukturellen und
funktionellen Eigenschaften analoges Verhalten wie bereits bekannte
organo-Kronenether aufweisen sollten.

Abb. 12: Bildung von {3}-metalla-Cryptate 2
bzw. metalla-Coronate 6 und metalla-Kronenether-Sandwichkomplexe
8 in Abhängigkeit von der Stereochemie der Liganden
L.
Als bis(bidentate) Liganden sind 2,3-Dihydroxy-1,3-butadiendialkylester
43, 1,3,4,6 Hexantetraone 44 oder cyclische Bis--ketoester,
wie beispielsweise 4,5-Dihydroxy-3,5-cyclopentadien-1,3-dicarbonsäuredialkylester
45 und 2,3-Dihydroxy-4-carboalkoxy-1-naphthoesäurealkylester
46 geeignet.

3.1.1.1. Synthese und Charakterisierung von 2,3-Dihydroxy-1,3-butadien- dialkylestern
In der Literatur sind mehrere unterschiedliche Verfahren zur Synthese der doppelt zweizähnigen Brückenliganden 2,3-Dihydroxy-1,3-butadien-dialkylester (Ketipinsäuredialkylester) 43 beschrieben. Bereits im Jahre 1888 berichtete WISLICENUS[109] von der Darstellung des Ketipinsäurediethylesters 43b durch doppelte CLAISEN-Kondensation von Essigsäureethylester 47b mit Oxalsäurediethylester 48b unter Verwendung von elementaren Natrium als Base. Die beschriebene Synthesemethode liefert jedoch nur sehr schlechte Ausbeuten und ist so gut wie nicht reproduzierbar. Andere mehrstufige Verfahren, welche von STACHEL[110-113] entwickelt wurden, erfordern dagegen einen hohen experimentellen und apparativen Aufwand.
Nach gezielter Variation der Reaktionsbedingungen
(Reaktionsdauer, Temperatur, Lösungsmittel), dem Testen verschiedener
für CLAISEN-Reaktionen in Frage kommender Basen (Na, NaH,
CaH2, NaOR) sowie der Suche nach einer schonenden Hydrolysemethode
für die intermediär gebildeten Dialkalisalze, konnten
verschiedene Ketipinsäuredialkylester 43, in einer
einstufigen Reaktion, in zufriedenstellender Ausbeute (43a:
29%, 43b: 20%, 43c: 9%) hergestellt werden. Als
beste Methode hat sich die Umsetzung der Essigsäurealkylester
47 in THF mit den entsprechenden Oxalsäuredialkylestern
48, unter Verwendung der Metallalkoholate 49 als
Basen, erwiesen. Nach saurer Aufarbeitung mit 2N Salzsäure
und Umkristallisation der Rohprodukte erhält man die Ketipinester
43 in Form von farblosen Nadeln.

Die Liganden 43a und c liegen als Keto-Enol-Gemische (Bis-Enol-Form, Bis-Keto-Form, Keto-Enol-Form) vor, wobei jeweils die Bis-Enol-Form überwiegt (43a: 46 % Bis-Enol-Form; 43c: 50 % Bis-Enol-Form). Bei einer Aufnahmefrequenz von 400 MHz, im Lösungsmittel CDCl3, ist im 1H-NMR-Spektrum des Ketipinsäurediethylester 43b (Abb. 13) lediglich die Bis-Enol-Form zu erkennen. Für die Methylgruppen erscheint durch Kopplung mit den Methylenprotonen ein Triplett bei = 1.32 ppm. Entsprechend werden die beiden -OCH2-Gruppen durch das Quartett bei = 4.26 ppm repräsentiert. Das Spektrum wird durch je ein Singulett, bei = 5.86 und = 11.73 ppm für die olefinischen bzw. den Enol-H-Atomen vervollständigt.
Das 1H-entkoppelte 13C-NMR-Spektrum
(Abb. 14) von 43b zeigt erwartungsgemäß fünf
Signale, die wie folgt zugeordnet werden. Bei = 14.16 und
60.91 ppm erscheinen die Signale der beiden Ethylesterreste. Die
Peaks für die olefinischen Chelat-C-Atome bzw. der Enol-C-Atome
sind bei = 91.21 bzw. 163.32 ppm zu erkennen. Den beiden Ester-Carbonylgruppen
wird das Signal bei = 172.45 ppm zugeordnet.

Abb. 13: 1H-NMR-Spektrum (400 MHz, CDCl3)
von 43b.

Abb. 14: 13C-NMR-Spektrum (100.5 MHz, CDCl3) von 43b.
3.1.1.2. Synthese und Charakterisierung von 1,3,4,6-Hexantetraone
Die Tetraketone 44 erfüllen ebenfalls
das Kriterium der coplanaren Ausrichtung der beiden Chelatringe,
was Voraussetzung für den Aufbau planarer metalla-Kronenether
ist. Die bis(bidentaten) Liganden 44 konnten durch CLAISEN-Esterkondensation,
ausgehend von Oxalsäurediethylester 48b und den verschiedenen
Methylketonen 50 unter Verwendung von elementarem Natrium
als Base, hergestellt werden.[114-116] Die Ausbeuten
dieser Synthesen sind allerdings sehr unterschiedlich und liegen
in Bereichen zwischen 7 und 62% für die verschiedenen Derivate.

Exemplarisch für die Vielzahl der synthetisierten
Verbindungen ist in Abb. 15 das bei einer Aufnahmefrequenz von
400 MHz, in CDCl3, gemessene 1H-NMR-Spektrum
des i-Propyl-Derivates 44b dargestellt. Die Bis-1,3-dioxo-Verbindung
44b liegt ebenfalls ausschließlich in der Bis-Enol-Form
vor.

Abb. 15: 1H-NMR-Spektrum (400 MHz, CDCl3)
von 44b.
Die vier Methylgruppen der beiden i-Propylreste erscheinen
als Dublett bei = 1.19 ppm, die beiden Methin-Protonen ergeben
ein Septett bei = 2.67 ppm. Die olefinischen Protonen sind dem
Singulett bei = 6.38 ppm zuzuordnen, während die Enol-H-Atome
als breites Singulett bei = 14.77 ppm zu erkennen sind.
3.1.1.3. Darstellung cyclischer Bis--ketoester
Eine effiziente Präorganisation der Ligandengeometrie
läßt sich durch Cyclisierung der Bis-1,3-dioxo-Systeme
über die 2- und 2´-C-Atome erreichen.

So läßt sich beispielsweise das System
4,5-Dihydroxy-3,5-cyclopentadien-1,3-dicarbonsäurediethylester
45 (n = CH2) durch doppelte intramolekulare
CLAISEN-Kondensation aus Glutarsäurediethylester 51
und Oxalsäurediethylester 48b, nach Umkristallisation
aus Ethanol, in Form von farblosen Nadeln isolieren.[117]

Entsprechend ist der Ligand 2,3-Dihydroxy-4-carboalkoxy-1-naphthoesäurealkylester
46 (n = C6H4), ausgehend von Xylylendicyanid
52, welches durch saure Veresterung[118] in
den entsprechenden Dialkylester 53 überführt
wird, durch Ringschluß mit dem korrespondierenden Dialkyloxalat
48 zugänglich. Das Ethylderivat 46b fällt
dabei in guter Ausbeute als leuchtend gelbes Pulver an.

Mit allen bisher vorgestellten Ligandensystemen wurden
Komplexierungsversuche zum Aufbau von metalla-Kronenethern
unternommen. Jedoch zeigten lediglich die Komplexe mit den Ketipinsäuredialkylestern
43b und c sowie mit dem Tetraketon 44c zur
Charakterisierung und Kristallisation ausreichende Löslichkeit.