3.3.11 Benutzerschnittstelle zu den Transformationssuchen

Wie in den Zielsetzungen für diese Arbeit (siehe Abschnitt 2.2.5) dargelegt, mußte auch die grafische Benutzeroberfläche des WODCA Systems aus programmtechnischen (überholter Software-Standard) wie aus ergonomischen Gründen (nicht ausreichend benutzerfreundlich und intuitiv) umgestaltet werden. An dieser Stelle soll dargelegt werden, wie sich die Transformationssuchen heute dem Anwender präsentieren.

Der Zugriff auf die Transformationssuchen im alten WODCA System veranschaulicht Abbildung 3 - 37. Über ein Menü wird auf die komplette Liste aller verfügbaren Transformationsregeln zugegriffen. Zweifellos wird ein gelegentlicher bzw. unerfahrener Nutzer des Programms durch die Fülle der Möglichkeiten überfordert. Was fehlt, ist eine Hilfestellung bei der Auswahl der für das aktuelle Syntheseproblem passendsten Transformationsregel.

Abb. 3 - 37

Zugriffsweg auf die Transformationssuchen im alten WODCA System.


In der Version 3 des WODCA Systems präsentieren sich die Transformationssuchen in Form eines Pop-up-Dialoges, der aus dem Hauptmenü erreichbar ist (siehe Abb. 3 - 38). Das Dialogfenster ist mehrfach unterteilt. Im rechten Bereich finden sich die textuellen Titel der Transformationsregeln, jetzt jedoch als eine Abrolliste. Darüber befinden sich Auswahlmenüs, welche die Menge der angebotenen Transformationsregeln beeinflussen.

Über den Schalter Ähnlichkeitsbereich (Similarity Range) legt der Anwender fest, ob er ein mehr oder minder großzügiges Ähnlichkeitskriterium verwenden möchte. Anders ausgedrückt: Der Benutzer gibt an, daß er eher wenig Treffer erhalten möchte bzw. zunächst einmal viel Treffer verlangt. Er formuliert damit Randbedingungen für den Ähnlichkeitsbereich einer Transformationssuche. Als Wahlmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

o

o o o

Abb. 3 - 38

Zugriff auf die Transformationssuchen im WODCA System Version 3. Oben das Hauptmenü des Programms mit dem aktivierten Suchen-Menü. Rechts unten das Dialog-Fenster zur Auswahl der Transformationen.


Der Schalter Schwerpunkt (Focus On) stellt dem Chemiker eine weitere interessante Möglichkeit bereit, Randbedingungen für die Auswahl der Transformationsregeln festzulegen. Hier dient die chemische Natur, dienen spezielle Merkmale der gerade untersuchten Anfrageverbindung als Auswahlkriterium. Besitzt eine Verbindung ein komplexes Ringsystem, so wird der Anwender vor allem an Ähnlichkeitskriterien interessiert sein, die dieses molekulare Merkmal berücksichtigen. Soll eine offenkettige Verbindung gesucht werden, ist wahrscheinlich die Verteilung von funktionellen Gruppen das interessanteste Kriterium dafür, was ähnlich sein soll. Dazu dienen die folgenden Optionen:

o

o o o o Auf der linken Seite, überschrieben mit Query (transformed), befindet sich eine Zeichenfläche, auf der bei Anwendung einer Transformation das aus der eingesetzten Anfrageverbindung resultierende Transformationsprodukt dargestellt wird. Dem Benutzer wird so ein Instrument bereitgestellt, das ihm erlaubt, die Wirkung einer gewählten Transformationsregel visuell zu verfolgen. Die transformierte Anfrageverbindung ist diejenige Verbindung, in die alle Verbindungen einer Trefferliste überführt werden, quasi das Gemeinsame zwischen Anfrage und Treffern.

Am unteren Rand des Dialogfensters befinden sich außerdem eine Reihe von Knöpfen, welche die eigentlichen Aktionen (z. B. den Suchvorgang) auslösen. Während mit Search die Transformationssuche gestartet wird, wodurch in jedem Falle eine Trefferliste, u. U. eine leere Liste, resultiert, kann mittels Transform Only die Ähnlichkeitsdefinition nur auf die Anfrage angewendet werden, etwa um vor der eigentlichen Suche zu prüfen, ob die beabsichtigte Transformation stattfindet. Praktisch dauern aber beide Aktionen annähernd gleich lang. Geschwindigkeitsbestimmend sind zum einen die Manipulation der Anfrageverbindung und die grafische Darstellung des Transformationsresultates, die in beiden Fällen stattfinden. Die tatsächliche Suche in einem Katalog (der Vergleich von Hashcodes, siehe Abschnitt 2.2.1) fällt dagegen kaum ins Gewicht.1

Die substitutions-basierten Transformationen wurden besonders berücksichtigt. Um dem Anwender das Verständnis dafür zu erleichtern, wie die verschiedenen Schalter die Definition eines Substitutionsmusters beeinflussen (siehe Abschnitt 3.3.4), wurde ein zusätzlicher Dialog implementiert (siehe Abb. 3 - 39). Dort ist verbal umschrieben, welche Wirkung etwa der Schalter A1 hat. Der Anwender selektiert Kombinationen nach seinen Wünschen und das Programm aktiviert die betreffende Transformation.2 Dieser Dialog kann für erfahrene Anwender deaktiviert werden.

Abb. 3 - 39

Zusätzliches Dialog-Fenster zur Auswahl von Substitutions-Transformationen.


Auf diese Weise wird es auch dem unerfahrenen Nutzer möglich, auf einfachem, intuitivem Weg eine geeignete Transformation, zugeschnitten auf sein Syntheseproblem, aus der doch recht umfangreichen Menge vorhandener Transformationssuchen (39 bei Abschluß dieser Arbeit) auszuwählen und das Prinzip ihrer Ähnlichkeitsdefinition zu erfassen.





1
Das gilt für Kataloge bis zu einer Größenordnung von etwa 20.000 Einträgen (Größter, dem WODCA System bei Abschluß dieser Arbeit zur Verfügung stehendender Katalog: 20.441 Einträge).
2
Es ist durchaus möglich, das Kombinationen gewählt werden, die nicht zur Verfügung stehen. Darüber informiert ggf. das Programm den Benutzer.