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Exkurs: Nomenklatur

Zum besseren Verständnis erläutern wir hier kurz die Namensgebung für Östron. Dieses ist wie viele Steroide und andere Naturstoffe ein Spezialfall, weil hier die systematischen Namen nicht strikt systematisch aufgebaut sind (dann müssten alle Steroide mit dem typischen Stammsystem aus drei Sechsringen und einem Fünfring nämlich als "Cyclopenta[a]phenanthrene" benannt werden). Stattdessen verwenden der Chemical Abstracts Service und andere als Ausgangspunkt sogenannte "Stereoparents", d.h. vordefinierte Ringskelette einschliesslich Konfiguration.

SciFinder Scholar: Estran-SkelettSpacer gifSciFinder Scholar: Estratrien
SciFinder Scholar: Estran-Skelett © American Chemical Society

Zum für die systematische Bennenung von Östron verwendeten "Stereoparent" Estrane gehört nicht nur das typische Steroid-Ringskelett, sondern auch die angegebene Konfiguration der Brückenkopfatome und vor allem auch die anguläre Methylgruppe. Für Steroide mit diesem Skelett und einem aromatischen Ring A (der erste Sechsring in Steroiden wird traditionsgemäss als Ring A bezeichnet) wird der Name zu Estra-1,3,5(10)-triene modifiziert. Auf dem "Namensweg" zum Östron fehlen uns jetzt nur noch die weiteren Substituenten: Carbonylgruppe und Hydroxygruppe. Erstere wird als funktionelle Gruppe mit der höchsten Priorität Bestandteil des Stammnamen Estra-1,3,5(10)-trien-17-one, letztere ist als Substituent 3-hydroxy- benannt.

Bei der systematischen Benennung von Verbindungen gibt es eine Prioritätsreihenfolge funktioneller Gruppen, denn die funktionelle Gruppe mit der höchsten Priorität (in unserem, Beispiel die Carbonylgruppe) wird Bestandteil des Stammnamen, die anderen (bei uns Hydroxy) benennt man als Substituenten.

© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:33:35 2004 GMT
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