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Strukturen und Medien der wissenschaftlichen Literatur

Wir diskutieren Medium und Struktur (Organisation) der Information formal getrennt im Sinne einer präzisen Terminologie, obwohl das in der Praxis und vom allgemeinen Sprachgebrauch her gar nicht so strikt durchzuhalten ist.

Struktur der chemischen Literatur

Unabhängig vom Medium ordnen die verschiedenen Typen der chemischen Literatur die in ihnen enthaltene Information auf eine bestimmte Art an, die man bei ihrer Benutzung kennen muss. Schon in der Primärliteratur hat man etwa in Zeitschriften eine Abfolge von Artikeln, die alle in sich ähnlich strukturiert sind, z.B.:

  1. Titel
  2. Autorennamen
  3. Zusammenfassung
  4. Einleitung
  5. Allgemeiner Teil
  6. Experimenteller Teil
  7. Literaturverzeichnis
    (vgl. Der wissenschaftliche Publikationsprozess am Beispiel)

Noch ausgeprägter als bei der Primärliteratur ist diese Abfolge von identisch strukturierten Informationseinheiten in der Sekundärliteratur. Diese Struktur ist die einer Datenbank. Die chemische Literatur hat also überwiegend die Organisationsform einer Datenbank, auch wenn sie in enger Anbindung an das Medium Papier entstanden ist. Deswegen war es auch ohne grössere inhaltliche und organisatorische Umstellungen möglich, chemische Literatur als elektronische Datenbanken verfügbar zu machen, sobald die Technologie und die Produktionsabläufe der chemischen Literatur dies erlaubten.

STN Express
Modernes Suchprogramm für Datenbanken mit grafischer Benutzeroberfläche: STN Express © American Chemical Society

Chemische Literatur bedeutet für uns also eine bestimmte formale Strukturierung wissenschaftlicher Information zu ihrer Kommunikation und Archivierung: Zeitschriften, Dissertationen, Konferenzberichte usw. in der Primärliteratur, Handbücher und Referateorgane in der Sekundärliteratur, Lehrbücher und Lexika in der Tertiärliteratur (siehe Typen der wissenschaftlichen Literatur).

Diese Struktur ist nicht an ein bestimmtes Medium gebunden, das Medium bestimmt im wesentlichen nur, wie einfach und wie vielseitig auf die Information zugegriffen werden kann: so bieten elektronische Datenbanken mehr Suchmöglichkeiten als gedruckte Register, und verbessern deswegen den Zugriff auf die chemische Literatur.
E-journals z.B. sehen immer noch wie Zeitschriften aus und sind es auch noch, unabhängig vom Medium. Andererseits wird diskutiert, dass durch die 1:1 Übernahme der Struktur von Zeitschriften aus dem Medium Papier die Möglichkeiten des elektronischen Mediums gar noch nicht voll genutzt werden.


© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:23:29 2004 GMT
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