Strukturen und Medien der wissenschaftlichen Literatur
Wir diskutieren Medium und Struktur (Organisation) der Information
formal getrennt im Sinne einer präzisen Terminologie, obwohl das in
der Praxis und vom allgemeinen Sprachgebrauch her gar nicht so strikt
durchzuhalten ist.
Struktur der chemischen Literatur
Unabhängig vom Medium ordnen die verschiedenen Typen der
chemischen Literatur die in ihnen enthaltene Information auf eine
bestimmte Art an, die man bei ihrer Benutzung kennen muss. Schon in der
Primärliteratur hat man etwa in Zeitschriften eine Abfolge
von Artikeln, die alle in sich ähnlich strukturiert sind, z.B.:
- Titel
- Autorennamen
- Zusammenfassung
- Einleitung
- Allgemeiner Teil
- Experimenteller Teil
- Literaturverzeichnis
(vgl. Der wissenschaftliche
Publikationsprozess am Beispiel)
Noch ausgeprägter als bei der Primärliteratur ist diese
Abfolge von identisch strukturierten Informationseinheiten in der
Sekundärliteratur. Diese Struktur ist die einer Datenbank. Die chemische Literatur hat also
überwiegend die Organisationsform einer Datenbank, auch wenn sie in
enger Anbindung an das Medium Papier entstanden ist. Deswegen war es auch
ohne grössere inhaltliche und organisatorische Umstellungen
möglich, chemische Literatur als elektronische Datenbanken
verfügbar zu machen, sobald die Technologie und die
Produktionsabläufe der chemischen Literatur dies erlaubten.
Modernes Suchprogramm für Datenbanken mit grafischer
Benutzeroberfläche: STN Express © American Chemical Society
Chemische Literatur bedeutet für uns also eine bestimmte formale
Strukturierung wissenschaftlicher Information zu ihrer Kommunikation und
Archivierung: Zeitschriften, Dissertationen, Konferenzberichte usw. in
der Primärliteratur, Handbücher und Referateorgane in der
Sekundärliteratur, Lehrbücher und Lexika in der
Tertiärliteratur (siehe Typen der
wissenschaftlichen Literatur).
Diese Struktur ist nicht an ein bestimmtes Medium gebunden, das
Medium bestimmt im wesentlichen nur, wie einfach und wie
vielseitig auf die Information zugegriffen werden kann: so bieten
elektronische Datenbanken mehr Suchmöglichkeiten als gedruckte
Register, und verbessern deswegen den Zugriff auf die chemische
Literatur.
E-journals z.B. sehen immer noch wie Zeitschriften aus und sind es auch
noch, unabhängig vom Medium. Andererseits wird diskutiert, dass
durch die 1:1 Übernahme der Struktur von Zeitschriften aus dem
Medium Papier die Möglichkeiten des elektronischen Mediums gar noch
nicht voll genutzt werden.
© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:23:29 2004 GMT
BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie
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