Beschaffung von Patentdokumenten
Wie bei allen Zitaten der Primärliteratur, die man bei einer
Datenbankrecherche oder in einem Literaturverzeichnis einer Publikation
findet, muss auch für Patentzitate jeweils das entsprechende
Originaldokument beschafft werden, wenn dieses von Bedeutung ist.
Während man bei Zitaten aus Zeitschriften oder Dissertationen auf
die Bestände von Bibliotheken zurückgreifen konnte, war dies
bei Patenten nicht der Fall, weil Bibliotheken normalerweise diesen
Publikationstyp nicht sammeln und bereithalten. Der Grund dafür war
u.a. der enorme Umfang der Patentliteratur.
Für gedruckte Patentdokumente war man deshalb früher auf die
Sammlung des jeweiligen nationalen Patentamtes oder seiner regionalen
Auslegungsstellen angewiesen, um sich von dort eine Kopie zu besorgen.
Obwohl die nationalen Patentämter nicht nur die von ihnen erteilten
Patentdokumente, sondern auch zur Prüfung von Patentanmeldungen auch
die Patente anderer wichtiger Länder sammeln und als Kopien
zugänglich machen, war man in einigen Fällen sogar auf relativ
kostspielige Dienste grosser internationaler Lieferanten von
Patentdokumenten (z.B. die Firma Derwent)
angewiesen.
Deshalb galt die Beschaffung von Patenten im Hochschulbereich und bei
kleineren Firmen in diesem traditionellen System als mühsam (wenn
auch oft zu unrecht), und wurde häufig umgangen, d.h., Patente
wurden nicht beschafft, auch wenn sie für ein Projekt wichtig
gewesen wurden.
Wegen der enormen wirtschaftlichen Bedeutung der Patentinformation
haben deshalb die Patentämter der grossen Industrieländer, vor
allem das amerikanische USPTO, und das
japanische und Europäische Patentamt, in grossem Umfang gedruckte
Patente nachträglich eingescannt und so deren Volltext in elektronischer Form zugänglich
gemacht. In einem zweiten Schritt wurden dann diese Patente via das
inzwischen etablierte World Wide Web suchbar und im Volltext
herunterladbar gemacht. Diese Massnahmen wurden vor allem in Europa mit
dem Ziel durchgeführt, den Zugang zu Patentinformation vor allem
für kleine und mittlere Unternehmungen zu fördern, die bisher
im Unterschied zur Grossindustrie nur unzureichend Zugang zu
Patentinformation hatten.
Gleiches gilt für die Hochschulen, und wir wissen aus eigener
Erfahrung und langjährigen Bemühungen, Patentinformation im
Bereich von Hochschulen zu verbreiten, dass nichts die Nutzung von
Patenten im akademischen Bereich so schlagartig gefordert hat wie der
einfache Zugang zu Patentinformation und Patentdokumenten im Volltext via esp@cenet.
© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:26:53 2004 GMT
BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie
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