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Kurzmitteilung

Der nächste Schritt in der Publikationskette nach einer Patentanmeldung, oder der erste Schritt, wenn eine solche nicht erfolgte, ist eine Kurzmitteilung, in englischen Sprachgebrauch short communication, preliminary communication oder letter genannt. Dies ist eine erste, schnelle und kurze Mitteilung von Forschungsresultaten ohne viel Einzelheiten. Sie erfolgt meistens schon vor Abschluss eines Forschungsprojekts, um die wissenschaftliche Öffentlichkeit zu informieren, und auch (typisch im Sinne der Doppelrolle von Publikationen), um Ansprüche auf bestimmte Arbeitsgebiete und Resultate zu erheben und deren Anerkennung zu erreichen.

Die Anwendung der Synthesemethode der Quinkert-Gruppe auf die Östronsynthese erfolgte in zwei Schritten: zuerst wurde mit dieser Methode das racemische Östron synthetisiert, und schliesslich das natürlich vorkommende, chirale (+)-Östron. Diese beiden Syntheseverfahren wurden nacheinander in eigenen Publikationen veröffentlicht. Die zweite dieser Publikationen für das natürliche (+)-Östron ist hier gezeigt.

Quinkert Oestron: Angew.Chem. 92, 1062Spacer gifQuinkert Oestron: Angew.Chem. 92, 1063
Angewandte Chemie 92 (1980) 1062, 1063 © VCH Verlagsgesellschaft

Die Kurzmitteilung beginnt mit dem Titel und der Nennung der Autoren (d.h. der an der veröffentlichten Arbeit wesentlich mitbeteiligten Chemiker; von uns blau unterlegt). Dann folgt in diesem Beispiel eine Widmung. Es ist üblich, bekannten oder befreundeten Chemikern zu einem höheren Geburtstag eine Publikation zu widmen; dies ist eine öffentliche Form der Anerkennung. Dann folgt der beschreibende Text, und eines der für chemische Publikationen so typischen Formelschemen mit chemischen Strukturen, die hier den Beginn des Synthesewegs zum Östron zeigen.
Formelschemata sind eine für Chemiker unmittelbar verständliche (auch über Sprachgrenzen hinweg), sehr kompakte und präzise Art der Kommunikation. Sie sind besonders in Kurzmitteilungen mit ihrem beschränkten Platz sehr nützlich.

Die zweite und letzte Seite, deren Ende wir hier im Ausschnitt zeigen, enthält nach dem Ende des Textteils das Datum, an dem das Manuskript bei der Redaktion der Zeitschrift eingereicht wurde (wichtig für Priorität). Es folgen in einer Tabelle die wichtigsten Daten zu den hergestellten Verbindungen (von uns gelb unterlegt; diese findet man nicht in allen Kurzmitteilungen), und am Schluss die für eine wissenschaftliche Publikation unverzichtbaren Literaturzitate (rot unterlegt).

Einige Zeitschriften sind auf die schnelle Publikation von Kurzmitteilungen spezialisiert und veröffentlichen nur diesen Typ Publikationen. Das sieht man meistens schon am Titel: z.B. Tetrahedron Letters, Chemical Communications. Die meisten bedeutenden Chemiezeitschriften publizieren sowohl Kurzmitteilungen als auch ausführliche Publikationen ("full papers").
Die Zeitschrift Angewandte Chemie, die international renommierteste Zeitschrift aus Deutschland, veröffentlicht Kurzmitteilungen und Übersichtsartikel (reviews), aber keine ausführlichen Publikationen mit experimentellem Teil.

© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:23:10 2004 GMT
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