Übersichtsartikel
Zwei Jahre nach den erwähnten ausführlichen Publikationen
zur Synthese von 19-Nor-Steroiden und Östron im Besonderen wurde
diese Synthesemethode in einem Übersichtsartikel (englisch: Review)
in einen grösseren Zusammenhang gestellt.
Der hier wiedergegebene Beginn dieses Artikels stammt nicht aus der
Zeitschrift selbst, sondern ist ein separater Sonderdruck des Artikel
(und als solcher oben rechts gekennzeichnet), der vom Autor auf Anfrage
an uns verschickt wurde.
Solche Sonderdrucke (englisch reprint, nicht zu verwechseln mit
preprint) sind ein etablierter Teil des
wissenschaftlichen Publikationssystems, der wieder zwei Funktionen hat:
einen Sonderdruck vom Korrespondenzautor anzufordern, war vor allem vor
der weiten Verbreitung von Fotokopierern oft die einfachste
Möglichkeit, zu einer persönlichen Kopie zu kommen (viele
Hochschulen und Firmen hatten sogar vorgedruckte Postkarten für
solche Anforderungen). Die zweite Funktion, nämlich einem Autor
durch eine solche Bitte Interesse an seiner Arbeit zu signalisieren, ist
auch heutzutage nicht überholt.
© VCH Verlagsgesellschaft
Übersichtsartikel sind ähnlich wie ausführliche
Publikationen strukturiert, aber ohne experimentellen Teil, dafür
mit einem Literaturverzeichnis, das je nach Gebiet durchaus mehrere
hundert bis über tausend Literaturzitate umfassen kann.
Übersichtsartikel gehören zu den nützlichsten
Literaturtypen überhaupt: wenn man sich möglichst schnell
über ein Gebiet informieren oder in ein neues Thema einsteigen will,
dann ist nichts so nützlich wie ein guter, einigermassen aktueller
Übersichtsartikel - die Flut der in Datenbanken zu fast jedem Thema
und vielen Verbindungen findbaren Einzelpublikationen erschlägt
einen nahezu, man sieht "vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr". Mit
einem guten Review hat aber ein Chemiker gewissermassen bereits eine
"Schneise in den Urwald geschlagen" und die Einzelarbeiten kompakt
zusammengefasst.
Übersichtsartikel werden manchmal zur Tertiärliteratur
gerechnet, manchmal zur Sekundärliteratur (die Sichtung und
Ordnung der Einzelpublikationen ähnelt tatsächlich dem, was in
den Handbüchern wie Beilstein und Gmelin für Eigenschaften von
Verbindungen geschieht). Wir behandeln sie hier aber unter der
Primärliteratur, weil sie in Zeitschriften erscheinen und wie andere
Zeitschriftenartikel strukturiert sind.
© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:23:15 2004 GMT
BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie
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