Zusammenfassung
Wir haben Ihnen ein Beispiel vorgestellt, dass alle wesentlichen
Elemente des "klassischen" Publikationsprozesses in ausgeprägter
Form enthält. Solche Beispiele werden seltener, denn die
Publikationsgewohnheiten waren schon vor dem Erscheinen von e-mail, World
Wide Web und elektronischen Zeitschriften im Umbruch. Elektronische
Kommunikations- und Publikationsformen haben aber diese Wandlung
beschleunigt und verstärkt.
Einige der zu beobachtenden Trends und die darin liegenden
Probleme:
- Man publiziert nur noch Kurzmitteilungen, das entsprechende "full
paper" mit allen experimentellen Einzelheiten erscheint nicht in
vernünftiger Frist, oder überhaupt nicht (selbst wenn es in
der Kurzmitteilung angekündigt ist).
Nachteil dieser Methode ist, dass die experimentellen Einzelheiten
entweder nur über den Leiter der Forschungsgruppe zugänglich
sind, oder in Dissertationen, die schlecht erschlossen und oft nur
mühsam zu beschaffen sind (vor allem aus dem nicht-amerikanischen
Ausland).
- Statt Kurzmitteilungen zu publizieren, werden vorläufige
Resultate auf die eigene Web-Seite gestellt, oder auf einem
Preprint-Server veröffentlicht.
Die zweite Methode ist der ersteren bei weitem vorzuziehen, da sonst
die Informationen schwierig zu finden sind; die gängigen
Suchmaschinen auf dem Web sind für chemische Information einfach
nicht gut genug. Das Problem liegt hier bei den renommierten
Chemiezeitschriften: Als grundsätzliche sinnvolle Politik
publizieren sie nur Informationen, die noch nicht anderweitig
veröffentlicht wurden. Mit einer begrüssenswerten schnellen
Mitteilung auf dem Web riskiert man also, die Arbeit nachher nicht mehr
in einer wichtigen Zeitschrift publizieren zu können.
In der Physik, die für Preprints und einen elektronischen
Preprint-Server eine viel längere Tradition hat, sind Preprints
hingegen ein wichtiges Glied in der Publikationskette.
- Schon lange haben Herausgeber aus Platzgründen umfangreiche
Datenreihen aus Publikationen ausgelagert und nur als "Supplementary
Material" auf Anfrage verfügbar gemacht, zuerst auf Mikrofiche,
dann elektronisch als TIFF-Images und jetzt meist als PDF-Dateien.
Das tönt vernünftig und war sicher notwendig, denn sonst
wären die Zeitschriften noch mehr im Umfang gewachsen und noch
teurer geworden. Leider hat sich in der Praxis herausgestellt, dass
dieses Material oft nicht zu einfach zu beschaffen ist.
© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:23:28 2004 GMT
BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie
|