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Beilstein-Qualität

Die bewährte Beilstein-Qualität beim Handbuch beruhte auf einem intensiven Selektions- und Wertungsprozess im Unterschied zu Referateorganen, die im Rahmen von überwiegend formalen Auswahlkriterien die Informationen aus der Primärliteratur im Wesentlichen ohne Wertung referieren. Dazu gehörte das Ausscheiden von trivialen Wiederholungen von Daten, Prüfungen auf Plausibilität, Vereinbarkeit und Verträglichkeit der Daten ("Ausreisser"), vor allem bei Zuordnung von Konstitution und Konfiguration verwandter Verbindungen. Zur Konfiguration und Konstitution wurden im Beilstein-Institut aufgrund des Überblicks über die Literatur Analogieschlüsse über die explizite Information in der einzelnen Publikation hinaus gezogen; dies geschah auch unter Verwendung neuerer Literatur über die für das Handbuch jeweils bearbeitete Periode hinaus.

Eine gewisse Gewichtung findet aber auch bei Referateorganen wie Chemical Abstracts dadurch statt, dass aus vielen Zeitschriften nicht "cover-to-cover" alle Artikel indexiert und abstrahiert werden, sonder eine Auswahl stattfindet. Auch bei der Indexierung werden natürlich wichtige Sachverhalte von weniger wichtigen differenziert.

Diese Stärke des Beilstein zu Zeiten des gedruckten Handbuchs mit noch einigermassen überschaubarem Volumen an chemischer Literatur verwandelte sich wegen des aufwendigen Bearbeitens in eine Schwäche, als die chemische Literatur ab etwa 1960 geradezu explodierte, und das Handbuch daher immer mehr in Zeitrückstand gegenüber der Originalliteratur geriet (siehe Geschichte des Beilstein und Exkurs: Beilstein und der Umfang der chemischen Literatur).

Mit der Produktion der Datenbank wurde dieser Rückstand massiv auf etwa ein Jahr verringert. Diese Aktualität und die Einstellung des gedruckten Handbuchs haben jedoch ihren Preis. Da in der Datenbank die beim Handbuch übliche redaktionelle Endbearbeitung vor dem Druck entfällt, muss man davon ausgehen, dass trotz zahlreicher, heute zum Teil auch automatisierter Qualitätskontrollen und Plausibilitätsprüfungen die frühere Qualität nicht mehr erreicht werden kann, alleine schon vom Volumen und der notwendigen Bearbeitungsgeschwindigkeit her, um noch einigermassen aktuell zu sein. Eine Stärke des Beilsteins, und (zusammen mit dem in dieser Hinsicht analogen Gmelin) ein Vorzug gegenüber praktisch allen anderen Informationsquellen ist aber nach wie vor die Zusammenstellung und damit auch Gegenüberstellung von in der Originalliteratur weit verstreuten Daten gleichen Typs, aber verschiedener Herkunft; dies impliziert eine Kontrolle durch den kritischen Benutzer und macht diese überhaupt erst möglich.

Gehen Sie also mit den im Beilstein gefundenen Daten kritisch um, vergleichen Sie diese Daten untereinander, und verifizieren Sie bei kritischen Werten auf jeden Fall die im Beilstein zitierten numerischen und anderen Angaben in der jeweils angegebenen Originalliteratur - der Beilstein als Teil der Sekundärliteratur ist zur Erschliessung der Originalquellen da, nicht ein Ersatz für diese!

© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:34:24 2004 GMT
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