Kapitelanfang Vorige Seite Nächste Seite Nächstes Kapitel
VERN Home Startseitenavigation
 
Chemie für Mediziner
Atombau
Periodensystem
Chemische Bindung
Heterogene Gleichgewichte
Reaktionen der Stoffe
Säuren & Basen
Energetik & Kinetik
Oxidation & Reduktion
Metallkomplexe
Einführung
Koordinative Bindung
Aufbau von Komplexen
Chelatkomplexe
Ligandenaustausch-Reaktionen
Eigenschaften von Komplexen
Änderung der Eigenschaften bei Komplexbildung
  Wilsonsche Krankheit
Biochemisch wichtige Komplexe
Zusammenfassung
Kohlenwasserstoffe
Isomerie organischer Verbindungen
Funktionelle Gruppen
Carbonylverbindungen
Kohlenhydrate
Aminosäuren
Heterocyclen & Naturstoffe
Vitamine & Coenzyme
Literatur

Startseite
  Wilsonsche Krankheit Pathobiochemie

Hepatolentikuläre Degeneration, Morbus Wilson

Die Wilsonsche Krankheit beruht auf einem genetisch bedingten Mangel (autosomal-rezessiv vererbt) an Caeruloplasmin (einem Transportprotein für Kupferionen). Dadurch ist die Cu2+-Ausscheidung über die Gallenwege gestört. Kupferionen (proteingebundenes Cu2+, in der Abbildung die roten Bereiche) werden in der Leber gespeichert und an das Blut abgegeben. Da Cu2+-Ionen nur in kleinen Mengen mit dem Urin ausgeschieden werden können, reichern sie sich über Jahre im Organismus an.

Kupferablagerungen
Kupferablagerungen in der Leber
Bildquelle: Morbus Wilson e.V.

Aufgrund der Symptome läßt sich die Wilsonsche Krankheit in zwei Kategorien unterteilen:

  • dem juvenilen Typ, der zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr auftritt und sich vor allem durch Leberschäden bemerkbar macht, sowie
  • der sich meist nach dem 20. Lebensjahr manifestierenden Erwachsenenform, bei der neurologische Symptome (Sprach- und Schreibstörungen, Tremor (Zittern der Gliedmasse), motorische Störungen) vorherrschen. Zuweilen kommt es auch zu psychischen Veränderungen.

Ein charakteristisches Symptom für Morbus Wilson ist das Auftreten eines hell-olivgrünen oder bräunlichen dünnen Ringes in der peripheren Descemet-Membran der Cornea (Hornhaut des Auges). Diese durch Kupferionen-Einlagerungen verursachte Verfärbung wird als Kayser-Fleischer-Kornealring bezeichnet.

Kayser-Fleischer-Ring
Kayser-Fleischer-Kornealring
Bildquelle: Morbus Wilson e.V.

Therapie:
Ziel der Behandlung ist die Ausschwemmung von Kupferionen, verbunden mit einer Reduktion der Kupferionen-Zufuhr. Dazu werden Komplexbildner oral gegeben, die gebildeten Kupferkomplexe können dann mit dem Urin ausgeschieden werden. Meist kommt D-Penicillamin zum Einsatz. Bei Unverträglichkeit gegen Penicillamin kann auch Trientine (Triethylendiamin dihydrochlorid) oder Ammonium-Tetrathiomolybdat verwendet werden, die Wirkung dieser Komplexbildner ist jedoch geringer. Da diese Medikamente auch die Ausscheidung anderer Schwermetallionen (z.B. Kobalt, Nickel, Zink) begünstigt, müssen diese Spurenelemente während der Therapie zusätzlich aufgenommen werden.
Stark kupferhaltige Lebensmittel sind zu meiden. Zu diesen zählen Innereien, Nüsse, Pilze, Vollkornprodukte, Kakao und Schokolade sowie Meeresfrüchte. Die Speisen dürfen nicht in Kupfertöpfen zubereitet werden, der Kupfergehalt des Trinkwassers soll 0,1 mg/l nicht überschreiten. (Vorsicht bei neuen Kupferrohren und Durchlauferhitzern!)
Durch eine vermehrte Zinkzufuhr kann die Kupferresorption vermindert werden.


© Prof. Dr. J. Gasteiger, Dr. A. Schunk, CCC Univ. Erlangen, Fri Mar 30 11:42:38 2001 GMT
navigation BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie