Elektronische Zeitschriften und Sekundärliteratur
Die Verfügbarkeit von elektronischen Zeitschriften scheint die
Situation Primärliteratur/Sekundärliteratur zu ändern,
kann man dort doch jetzt im Volltext direkt suchen. Braucht man also noch
die aufwendig zu produzierenden und daher teuren Referateorgane und
Handbücher bzw. die entsprechenden Datenbanken ?
Diese Frage kann derzeit und wohl auf absehbare Zeit mit einem klaren
ja beantwortet werden:
- Nur ein noch relativ kleiner Teil der Zeitschriftenartikel ist
elektronisch verfügbar.
Das ändert sich zwar durch rückwirkende Erfassung gedruckter
Zeitschriften, aber nicht so schnell und so umfassend wie
gewünscht. Selbst wenn diese Entwicklung weitergeht, bleibt immer
noch die Frage, ob unsere Bibliotheken die Zusatzkosten für diese
elektronischen "backfiles" aufbringen bzw. im Hinblick auf den
gedruckten Zeitschriftenbestand rechtfertigen können (man zahlt
hier nämlich noch einmal für die gleiche Information in
elektronischer Form, die man auf Papier bereits mit dem Abonnement der
Zeitschrift bezahlt hat).
- Die Suchmöglichkeiten in elektronischen Zeitschriften sind
relativ primitiv (verglichen mit Datenbanken), und sie operieren auf
einen Inhalt, der wesentlich schlechter strukturiert und noch weniger
bezüglich Gliederung oder verwendeter Begriffe standardisiert ist
als derjenige von Referateorganen und Handbüchern.
Suchen nach Text sind möglich, aber derzeit nicht nach Strukturen
von chemischen Verbindungen oder nach Daten. Die Ergebnisse von Suchen
im Volltext einer Zeitschrift entsprechen bezüglich
Vollständigkeit und vor allem bezüglich Ballast bei weitem
nicht dem Niveau, das die Sekundärliteratur erreicht.
- Referateorgane wie Chemical Abstracts oder
Handbücher wie Beilstein und Gmelin ermöglichen uns, mit einer
Suche die gesamte relevante Information abzufragen. Bei elektronischen
Zeitschriften können wir im günstigsten Fall derzeit
über alle Zeitschriften eines Produzenten (Verlag,
wissenschaftliche Gesellschaft) suchen, und selbst das ist nicht
überall möglich.
Wichtig ist die "nahtlose" Anbindung der elektronischen
Primärliteratur an die Datenbanken der Sekundärliteratur. Das
diskutieren wir im Modul Elektronische
Zeitschriften und Patente.
© Dr. Engelbert Zass, ETH Zürich, Tue Apr 6 09:23:01 2004 GMT
BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie
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