Künstliches Neuronenmodell
Jedes Neuron hat eine große Zahl von Dendriten und kann damit
gleichzeitig viele Signale erhalten. Diese m Signale vereinigen
sich zu einem kollektiven Signal. Die Art und Weise, wie sich dieses
kollektive Signal Net aus den Einzelsignalen zusammensetzt,
ist noch nicht genau bekannt.
Bei der Entwicklung eines künstlichen Neurons werden zwei Annahmen gemacht:
- Das Nettosignal Net ist eine Funktion aller Signale, die in einem bestimmten Zeitintervall im Neuron ankommen, und aller Synapsenstärken.
- Die Funktion wird meist gleich der Summe der Signale si
gesetzt, die sich als Produkte der Eingabesignale xi
(i=1, ..., m) und der Synapsenstärken wi
(i=1, ..., m), jetzt Gewichte genannt, ergeben.


Erste Stufe eines Neuronenmodells.
Das Nettosignal ist noch nicht das Signal, das weitergegeben wird,
denn dieser kollektive Wert Net kann sehr groß oder
auch negativ werden. Gerade diese letzte Eigenschaft kann die Wirklichkeit
nicht gut wiedergeben: Ein Neuron feuert oder auch nicht, aber was
soll ein negatives Nettosignal bedeuten? Um ein realistischeres
Modell zu erhalten, wird der Wert von Net deshalb durch eine Übertragungsfunktion
modifiziert. Am häufigsten wird dabei eine sigmoide Funktion,
auch logistische oder Fermi-Funktion genannt, verwendet.

Mit dieser Übertragungsfunktion wird ein Wertebereich des
Ausgangssignals out zwischen Null und Eins erzwungen (ob
nun Net groß, klein oder auch negativ ist). Man hat
nun einen nichtlinearen Zusammenhang zwischen Eingabe- und Ausgabesignal
und kann damit nichtlineare Beziehungen zwischen Eigenschaften darstellen,
was mit statistischen Verfahren oft schwierig ist. Darüber
hinaus besitzt man mit a und J zwei Parameter, mit
denen man die Funktion des Neurons beeinflussen kann.

Einfluß der Parameter a (a) und J (b) auf das gemäß der Übertragungsfunktion definierte Ausgabesignal outj.
Die Übertragungsfunktion vervollständigt das Modell des Neurons.

In der Abbildung eines vollständigen Neuronenmodells a) sind die Synapsenstärken oder Gewichte w noch wie in der vorigen Abbildung dargestellt; im weiteren werden sie, wie in Abbildung b), nicht mehr gezeichnet, sind aber selbstverständlich noch zu verwenden.
© Prof. Dr. J. Gasteiger, Dr. Th. Engel, CCC Univ. Erlangen, Thu Apr 15 06:31:58 2004 GMT
BMBF-Leitprojekt Vernetztes Studium - Chemie
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